Chrysanthemen: mehr als Friedhofsblumen!


23.07.2021
Complemedis

Chrysanthemen kenne ich seit Kindstagen als Friedhofsblumen, weil ich jeweils meiner Grossmutter in ihrem Blumenladen helfen musste. Auf Allerseelen (2.November) war Hochbetrieb im Laden und Chrysanthemen waren ein Renner.

Chrysanthemen auf einem Friedhof

Der Laden machte den grösseren Teil des Jahresumsatzes an lediglich zwei Tagen, nämlich nebst an Allerseelen noch am Valentinstag. Dass Chrysanthemen auch andere Verwendungen finden würden, als auf Gräber gesetzt zu werden, wäre mir nicht im Traum eingefallen.

Chrysanthemi morifolii flos

Chrysanthemi morifolii, flos – Ju Hua

Chrysanthemi indici, flos

Chrysanthemi indici, flos – Ye Ju Hua

Ein alter Name für Chrysantheme ist Pyrethrum und jetzt läuten bei Vielen von Ihnen sicher bereits die Glocken: Pyrethrum ist ein Insektizid, das aus Chrysanthemen gewonnen wird, ein Frassgift, mit dem sich die Chrysanthemen vor Feinden schützen. Pyrethroide sind künstlich hergestellte Insektizide, dem natürlichen Pyrethrum nachempfunden, aber wirksamer – und leider schädlich für die Umwelt.

Pyrethrin I

Pyrethrin I = Vorbild für Pyrethroide (Bild: Wikipedia)

Aber wir wollen jetzt nicht die Verwendung von Chrysanthemen als Pestizid diskutieren. Die Pflanze ist aus der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht wegzudenken und sie kommt auch sonst im Speiseplan in Asien vor, im Trinkplan auch, wenn es diesen Begriff überhaupt gibt.

Der wissenschaftlich korrekte Name von Chrysanthemum morifolium ist Dendranthema x morifolium. Das x steht für die Bezeichnung einer in Kultur gezüchteten Hybridpflanze.

Die Chrysanthemenblüte wird in China in riesigen Mengen geerntet und konsumiert.

Chrysanthemen Feld

Besonders beliebt ist Ju Hua im Süden Chinas, wo die Menschen nicht wie in andern Landesregionen den bekannten Jasmintee trinken, sondern wo das häufigste Getränk für mehrere hundert Millionen Chinesen der sog. Ju Pu-Tee ist. Ju Pu ist nichts anderes als die Zusammensetzung von Ju Hua (Flos Chrysanthemi morifolii) und Pu Erh-Tee. Bei letzterem handelt es sich um einen speziell fermentierten Tee von einer alten Sorte des Teestrauches. Letzterer wird zu allen möglichen Tees verarbeitet, nämlich zu weissem Tee, Grüntee, Oolongtee, gelbem Tee, Schwarztee. Pu Erh-Tee hat einen etwas modrigen Geruch und Geschmack. Dieser Pu Erh-Tee wird mit den Blüten der Chrysantheme angereichert. In vielen Restaurants in der Südprovinz Guangdong mit der Hauptstadt Guangzhou wird Ihnen, sobald Sie Platz genommen haben, automatisch ein Ju Pu-Tee eingeschenkt. Und falls Sie doch bestellen müssen, dann verlangen Sie nach einem Gu-Po-Cha, was die kantonsesische Bezeichnung für Ju-Pu-Tee ist, denn es könnte sein, dass man mancherorts im Süden Chinas kein Mandarin versteht. Besonders in warmen und feuchten Monaten belieben die Südchinesen ihn zu trinken. Man sagt, er treibt überschüssige Feuchtigkeit aus dem Körper aus. Er entwässert und wirkt kühlend. Im Westen bisher eher bekannt war der Jasmintee, bei welchem dem Grüntee Jasminblüten beigefügt werden.

Teehaus

PS: eine Statistik, welches das am häufigsten genossene Getränk in China ist, kann ich nicht vorweisen, aber vielleicht ist es immer noch schlicht abgekochtes Wasser, das warm genossen wird. Kalte oder gekühlte Getränke widersprechen der klassischen chinesischen Ernährungslehre. Tee in irgendeiner Form, Grüntee, halbfermentierter Oolongtee oder Schwarztee oder Mischungen von solchem mit Chrysanthemen-, Jasmin-, Osmanthus- oder Hibiscusblüten ist auch im 21.Jahrhundert noch nicht für alle Chinesen erschwinglich.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir Ihnen Chrysanthemen als Tee anbieten können. Viele Chargen von Chrysanthemenblüten sind pestizidbelastet und zwar nicht wegen des natürlich vorkommenden Pyrethrums, das für unsere Gesundheit nicht schädlich ist, sondern durch synthetische Pyrethroide und andere Pestizide, denn offenbar sind viele Tierchen scharf auf dieses Futter und lassen sich vom natürlichen Pyrethrum nicht abschrecken.

Je nachdem, aus welcher Gegend in China die Chrysanthemen kommen, wird ihnen ein Name gegeben, der dessen Herkunftsregion verrät, denn es ist wie beim Wein aus Frankreich: aus dem Burgund oder der Gegend um Bordeaux kommen traditionell die besten Produkte aufgrund des Standorts (Böden, Sonneneinstrahlung…), der verwendeten Weintraubensorte und der jahrhundertelangen Erfahrung der Gutsherren. Eine zusätzliche Silbe verrät bei Ju Hua dann die Gegend der Herkunft.

Complemedis prüft ihre Ware konsequent auf Schadstoffe und das wissen ihre Lieferanten und sind deshalb bemüht, uns saubere Ware zu liefern. So ist es uns heute möglich, Ihnen Produkte anbieten zu können, welche den behördlichen Richtlinien entsprechen.

Flos Chrysanthemi morifolii ist eine der bestuntersuchten Pflanzen der TCM, bei der Dutzende von Inhaltsstoffen bekannt und untersucht sind.

Chrysanthemen lindern Heuschnupfensymptome, helfen bei Erkältungen, kühlen Hitze im Sommer und sind deshalb häufig in klassischen und modernen Formeln der TCM enthalten. Sie wirken entschlackend und entwässernd. An warmen Sommertagen wird der Tee gerne aus den Blüten allein angebrüht. Er darf dann ohne weiteres mit Rohzucker gesüsst werden. Chrysanthemenblüten (Ju Hua) haben einen schwach bitteren Geschmack, den man aber gerade an heissen Sommertagen als angenehm empfindet. Bier ist schliesslich auch leicht bitter und trotzdem sehr beliebt, v.a. auch im Sommer.

Wer Kindern mit Kamille die Augen auswäscht, wenn diese gelb verklebt sind und damit keinen Erfolg hat, braucht nicht gleich zum Arzt zu rennen, sondern nimmt Chrysanthemenblütentee auf ein Schwämmchen oder benützt gleich die Blüten selbst wie einen Wattebausch. Und nebst dieser lokalen Behandlung wird der Tee davon getrunken, was die Wirkung noch verbessert.

Ein Chrysanthementee nach einer durchzechten Nacht hilft den Kater vertreiben und regeneriert die Leber. Auch nach schweren Mahlzeiten ist Ju Hua zur Ausleitung von ‚Schlacken’ geeignet.