Fachwissen

In Ost und West: Tiere auf dem Speisezettel

schildkroete1 Ein Teil der Menschen hält Schweine in Fabriken oder Hühner zu Tausenden in künstlich beleuchteten Hallen und schlachtet sie dann in nicht gerade würdevoller Weise, nachdem sie schon zu Lebzeiten nicht nur punkto Lebensraum, sondern auch futtermässig nicht eben glücklich zu nennen waren.

Ein anderer Teil der Menschen hat noch Tiere, die sich ebenfalls mehr oder weniger artgerecht halten lassen, bis sie auf dem Teller landen. Die Empörung ist in der Regel gross, wenn die Leute, die sich an Schweinefabriken und Hühnerbatterien gewöhnt sind, dass die andern Schildkröten und sogar Hunde essen.  Der Niedlichkeitsfaktor oder der Gedanke, den treuen Begleiter zu essen, lässt die Abscheu entstehen, der denen entgegengebracht wird, die Fleisch von Tieren essen, die uns lieber sind als die, die wir selbst essen. 

Tiere = Muskelfleischlieferanten oder mehr?

Schildkröte 2Im Westen essen wir vergleichsweise wenige Bestandteile von einem Tier. Beliebt ist Muskelfleisch. Der Rest wird wenig geschätzt. Wer isst heute noch Milz, Herz, Lunge, Sauschwänzli, Gnagi, Nieren, Hoden, Hirn, Magen, Zunge, Sauschnörrli, Knochen(mark)?

Vor nicht allzu langer Zeit wurde aus dem grossen Rest, den wir nicht mehr essen wollten, Tiermehl gemacht und das zur Mast von neuen Tieren verwendet. BSE setzte dieser lediglich aus Sicht der Energiebilanz halbwegs sinnvollen Idee ein Ende und seither wird ein grosser Gewichtsanteil der Tiere einfach verbrannt. Ein ökologischer Unsinn.

In Asien werden Tiere viel effizienter verwertet. Hühnerkrallen etwa sind eine Delikatesse, ebenso wie Gänsezungen. Das Suppenhuhn wird mit dem ganzen Kopf ausgekocht. Fischblasen sind eine Delikatesse, Schweineblasen ebenfalls. Saufüssli sind die perfekte Nahrung für die Wöchnerin, wenn sie richtig präpariert sind (wochenlang mit Ingwer und Essig vorbehandelt bilden sie den perfekten Blut- und Calciumersatz). Hühner und Enten werden in mundgerechte Stücke gehauen, quer durch alle Knochen, sodass dass Knochenmark aufgeschlossen wird und seine wertvollen Bestandteile freigibt. Vom Fisch essen wir im Westen das Filet. Die Chinesen saugen genüsslich die Flossen aus und das Hirn und sie nagen die Lippen des Fisches ab. Überall hat es wertvolle Mineralien und Bausteine, die der eigene Körper bestens brauchen kann. Chinesen haben kein Osteoporose-Problem, obwohl sie keine Milch trinken und wir im Westen haben eines, obwohl wir sie trinken…
Von einem Tier bleibt in Asien kaum etwas übrig, was nicht gegessen wird. Ökologisch macht das Sinn. Wenn schon Tier, dann das ganze! Die Alternative dazu ist nicht die westliche Art im Umgang mit den Tieren, die zum Verzehr bestimmt sind, sondern ein Leben als Vegetarier. Auch das kann funktionieren, wenn man es richtig macht, zum Beispiel so wie die Inder.

schildkroete3Schildkrötenpanzer

Schildkrötensuppe? Und was ist mit dem Schildkrötenpanzer?

Hier geht es um Schildkrötenpanzer. Solche werden in der TCM seit Jahrtausenden verwertet. Schildkrötenfleisch essen? Warum auch nicht? Wird die Schildkröte artgerecht gehalten, dann ist dem kaum etwas entgegenzusetzen, besonders nicht von denen, die in ihrem Land in gewissen Kantonen mehr Schweine haben als Einwohner, man aber erstere trotzdem nirgends sieht.
Was würden wir wohl mit dem Schildkrötenpanzer machen, würde Schildkrötenfleisch auf unserem täglichen Speisezettel figurieren? Wahrscheinlich in Kehrichtverbrennungsanlagen als Sondermüll verbrennen.

Die alten Chinesen haben kaum eine Pflanze unversucht gelassen. Sie haben nicht nur alle Pflanzen, sondern auch alleMineralien auf ihren Wert für die menschliche Gesundheit untersucht. Und natürlich auch alle Tiere und von diesen wieder alle Bestandteile. Und wenn man schon Mineralien, also Steine gegessen hat, kann man das ja auch mit Schildkrötenpanzern tun. Und genau das wurde gemacht. Denn genau gleich wie Steine enthalten auch diese viele Mineralien, aber dazu noch viele andere Baustoffe, nämlich Kollagen, Fett, Eiweisse, Aminosäuren, Calciumcarbonat, Keratin, Polysaccharide, Vitamine, Jod, Calciumphosphat, Natrium, Kalium, Mangan, Zink etc.

Gui Ban und Bie Jia

SchildkröteWir kennen üblicherweise in der TCM die Produkte aus zwei verschiedenen Schildkröten, nämlich Gui Ban und Bie Jia.
Der Schildkrötenpanzer beider Arten kann in verschiedener Weise verarbeitet werden. Von beiden gäbe es auch eine Variante, bei der der Panzer in einer langdauernden Prozedur zu einer Gelatine verarbeitet wird.
Gui Ban Jiao und Bie Jia Jiao würden diese Produkte genannt werden.
Diese haben wir nicht im Sortiment, weil wir derzeit nicht genügend Informationen zum Herstellungsprozess erhalten.

Für Gui Ban nimmt man den Panzer der Wasserschildkröte Chinemys revesii oder ein paar andern Schildkrötenarten und für Bie Jia denjenigen von Trionyx sinensis, einer Wasserschildkröte mit weichem Panzer.

Carapax ist die Bezeichnung für den Rückenpanzer.
Plastrum bezeichnet den Bauchpanzer.

Das Einsatzgebiet für diese beiden Produkte ist Anwendern der TCM gut bekannt und ich darf auf die einschlägige Fachliteratur verweisen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist sicher die Feststellung, dass es nur wenige TCM-Mittel gibt, von denen man weiss, dass sie den Du-Mai-Meridian erreichen. Eines davon ist Gui Ban.
Das andere ist das Hirschhorn in seinen verschiedenen Formen, Lu Rong, Lu Jiao und Lu Jiao Jiao.


Severin Bühlmann

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