Fachwissen

Die chinesische Pharmakopöe 2005 listet rund 540 einzelne Mittel auf. Davon sind 26 mineralischen, 48 tierischen oder menschlichen Ursprungs und der Rest, also fast 470 Mittel sind Pflanzen und Pilze.

Regelmässig erhalten wir Anfragen, ob denn auch hierzulande TCM-Pflanzen wachsen und als Ersatz für die von weit her kommenden Mittel gelten könnten.
In China sind die traditionellen Gebiete, wo die beste Qualität der TCM-Drogen herkommen, bekannt und klassifiziert. Die klimatischen Bedingungen, die Bodenqualität und nicht zuletzt das Knowhow über den optimalen Erntezeitpunkt, über Verarbeitung und Lagerung spielen dabei eine Rolle.
Ob hiesige Pflanzen daher gleich wirksam sind, wäre zu prüfen. Ginseng wird bereits im Emmental angebaut und es ist gut vorstellbar, dass auch andere Pflanzen in unserem Klima und auf unseren Böden ideale Bedingungen finden.

Im Sortiment von Complemedis finden sich gegen 500 TCM-Mittel. Natürlicherweise kommen in der Schweiz nur wenige davon vor. Wohl gibt es nicht wenige nahe Verwandte von TCM-Pflanzen, aber eine vollständige botanische Übereinstimmung fand sich nur gerade bei 36 Mitteln, wobei auch diese zum Teil zuerst in Gärten auftauchten oder Kulturpflanzen waren und erst später oder gar nicht verwilderten. Die Tabelle listet diese unten auf. Daneben gibt es noch die Mittel, die wir als Lebensmittel kennen und die in frischer oder getrockneter Form bei uns häufig angetroffen werden (Ingwer, Sternanis, Cardamon, Pfeffer, Zimt…), oder die in botanischen Gärten wachsen (Dendrobium, Arisaema, Tee). Wieder andere wachsen im nahen Ausland, etwa Fructus Jujubae (Da Zao) in Italien, auf den Gemüse- und Obstmärkten bekannt als Giuggiolo. 

Pharma Name PinYin Deutscher Name
Ailanthi altissimae, Cortex Chun Pi, Chun Gen Pi Götterbaum
Alli fistulosi, Bulbus Cong Bai Winterzwiebel
Arctii lappae, Fructus Niu Bang Zi Grosse Klette
Cannabis sativae, Fructus Huo Ma Ren Hanf
Descurainiae sophiae, Semen Ting Li Zi Sophienkraut
Diospyri kaki, Calyx Shi Di Kaki
Equiseti hyemalis, Herba Mu Zei Überwinternder Schachtelhalm
Foeniculi vulgaris. Fructus Xiao Hui Xiang Fenchel
Ginkgo bilobae, Semen (& Folium) Bai Guo Ginkgo
Glycinis max, Semen Dan Dou Chi Sojabohne
Hordei vulgaris, Fructus germinatus Mai Ya Saat-Gerste
Juglandis regiae, Semen Hu Tao Ren Walnuss
Junci effusi, Medulla Deng Xin Cao Flatterbinse
Lini usitatissimi, Semen Ya Ma Zi Flachs
Lonicera japonica, Flos Jin Yin Hua Japanisches Geissblatt
Magnoliae denudatae, Flos Xin Yi Magnolie
Magnoliae officinalis, Cortex Hou Po Magnolie
Morus albae, Fructus, Folium etc. Sang Zhi, Sang Ye etc. Maulbeerbaum
Phragmitis communis, Rhizoma Lu Gen Schilf
Phytolaccae americanae, Radix Shang Lu Kermesbeere
Platycladi orientalis, Semen, Cacumen Bai Zi Ren, Ce Bai Ye Chinesischer Lebensbaum
Polygonati odorati, Rhizoma Yu Zhu Echtes Salomonssiegel
Polygoni avicularis, Herba Bian Xu Vogel-Knöterich
Polygoni cuspidati, Rhizoma Hu Zhang Japanischer Staudenknöterich
Polyporus Zhu Ling Eichhase = Ästiger Porling
Portulacae oleraceae, Herba Ma Chi Xian Portulak
Prunellae vulgaris, Spica Xia Ku Cao Gemeine Brunelle
Pruni persicae, Semen Tao Ren Pfirsichbaum
Raphani sativi, Semen Lai Fu Zi Garten-Rettich (Radiesli)
Sanguisorbae officinalis, Herba Di Yu Grosser Wiesenknopf
Sinapis albae, Semen Bai Jie Zi Weisser Senf
Spirodelae polyrrhizae, Herba Fu Ping Teichlinse
Tritici aestivi, Semen levis Fu Xiao Mai Gemeiner Weizen
Tussilagi farfarae, Flos Kuan Dong Hua Huflattich
Typhae angustifoliae, Pollen Pu Huang Schmalblättriger Rohrkolben
Verbenae officinalis, Herba Ma Bian Cao Eisenkraut

 

Ob sich von diesen allen Mitteln genügend finden liesse, ohne dass man die Nachhaltigkeit gefährdet, muss von Pflanze zu Pflanze diskutiert werden, genau so, wie die Frage, ob die natürlich vorkommenden Varietäten oder Sorten grössere Qualitätsdifferenzen aufweisen. Selbst Toxizitätsfragen müssen gelöst sein, bevor man wild drauflos sammeln geht, etwa bei Huflattich, der beträchtliche Konzentrationen an Pyrrolizidinalkaloiden aufweist.

Mit Interesse verfolgen wir die Bemühungen des Landwirtschaftsministeriums in Bayern, welches nun bereits seit mehreren Jahren TCM-Pflanzen in der BRD anbaut und diese auch untersucht und untersuchen lässt, z.B. bei der Firma Phytax (www.phytax.ch). Laboranalytische Resultate lassen grosse Hoffnungen aufkeimen: Einige Mittel zeigen einen guten Gehalt an Wirkstoffen im Vergleich zu Proben aus China und sind diesen sogar überlegen. Beträchtlich zu diesen guten Resultaten scheinen schonende Trocknungsverfahren beizutragen. Zudem sind die Anbau- und Erntebedingungen bekannt. Ware aus China kann oft schwer nach diesen Kriterien abgerufen werden.

Der Anbau von TCM-Mitteln in Europa ist natürlich nicht allein von den von der Natur gegebenen Bedingungen beschränkt, sondern genau so spielen wirtschaftliche Faktoren eine grosse Rolle, etwa der erzielbare Preis für ein Kraut. Was nützt es einem Bauern, wenn er tonnenweise ernten kann, die Ware aber in China kaum etwas kostet und die Nachfrage dafür in Europa bei insgesamt einigen Kilo liegt.

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