Fachwissen

Unter Wu Jia Pi führt die chinesische Pharmakopöe Cortex Acanthopanacis gracilistyli auf.
Das war nicht immer so. In früheren Ausgaben erlaubte sie unter Wu Jia Pi auch Cortex Periplocae sepiae. Doch seit einigen Jahren trennte sie diese beiden Kräuter und brachte Periploca unter dem Namen Xiang Jia Pi (seltener auch Gang Liu genannt) unter.

Auf dem Markt wird Acanthopanax zu 90% fälschlicherweise noch heute Periploca angeboten.

Die Wirkungen von Acanthopanax und Periploca sind in der TCM in etwa vergleichbar. Beide sind von warmer, scharfer und bitterer Natur, treten in den Funktionskreis von Leber und Niere ein (Periploca auch in den des Herzens). Beide vertreiben Wind-Feuchtigkeit, wärmen Niere und Leber, wirken schmerzstillend und kräftigen die Sehnen. Sie werden also traditionell in dieser Indikation hauptsächlich gegen rheumatische Beschwerden angewandt.

Der neuste Bensky (Materia medica) sagt, dass Cortex Acanthopanacis in den gewünschten Wirkungen gemäss TCM Cortex Periploca überlegen sei.

Periploca sepiumPeriploca sepium (Xiang Jia Pi)Eleutherococcus senticosus Stanislav DoronenkoAcanthopanax senticosus (Wu Jia Pi)

Beiden wird auch eine diuretische Wirkung zugeschrieben. Der Mechanismus, der diese Wirkung durch beide Mittel verursacht, scheint unterschiedlich zu sein.
Da Periploca herzwirksame Glykoside enthält, ist es nicht weiter erstaunlich, dass beim Vorliegen gewisser kardialer Störungen eine Wirkung erzielt wird, die sich infolge besserer Herzfunktion in einer verbesserten Diurese äussert.

Nun ist aber genau dies eine heikle Geschichte: Patienten im Westen haben bei kardialen Störungen meistens westliche Medikamente, mitunter sogar eine ganze Palette davon. Die westliche Medizin weiss Herzstörungen sehr genau zu differenzieren und hat hier eine Menge spezifischer Medikamente anzubieten. Ein TCM-Arzt, der in dieser Situation zusätzlich noch Periploca einsetzen wollte, müsste sich sehr genau im Klaren darüber sein, welche Art Wirkung er erzielen will und ihm müssten die Wirkungen der in Periploca vorhandenen Glykoside im westlich schulmedizinischen Sinn bekannt sein. Ich bezweifle, dass dieses Wissen jederzeit bei allen präsent ist. So scheint es mir eine sehr gewagte Angelegenheit, dieses Mittel einsetzen zu wollen, denn die Materia Medica sagt, dass als Nebenwirkungen Tachykardien und Arrhythmien auftreten können. Und wer weiss, wie dieses Mittel mit allen andern westlichen Medikamenten interagiert? Hebt es deren Wirkung auf oder verstärkt es sie? Die Materia Medica warnt auch davor, die angegebene Dosis von täglich 3-6 g zu überschreiten.

Acanthopanax und Periploca gehören zu ganz verschiedenen botanischen Familien: Acanthopanax gehört in die gleiche botanische Familie wie Ginseng und Eleutherococcus. Dies lässt aufhorchen und es hat moderne Wissenschafter dazu bewegt, nähere Untersuchungen über weitere Wirkungen von Acanthopanax zu machen, wie sie auch für Ginseng und Eleutherococcus gefunden wurden. Und siehe da: Auch Acanthopanax hat adaptogene Eigenschaften. Als solche werden Eigenschaften bezeichnet, die den Körper in Stress- und Ausdauersituationen unterstützen, sei dies bezüglich der körperlichen (muskulären) oder geistigen Leistungsfähigkeit oder in der Kräftigung des Immunsystems.

Der folgende Text entstammt dem Buch 'Species systematization and quality evaluation of commonly used Chinese traditional drugs, North-China edition' und die Übersetzung machte Magister pharm. Erich Stöger:

"Cortex Periploca ist die Wurzelrinde von Periploca sepium Bge. aus der Familie der Asclepiadaceae. Sie enthält als toxische Inhaltsstoffe Herzgklykoside. Klinisch traten bei der Verwendung dieser Species als Cortex Acanthopanacis in der Vergangenheit Intoxikationen mit Todesfolgen auf. Zur Korrektur des in nicht wenigen Regionen unseres Landes verbreiteten Fehlers, Cortex Periplocae anstelle von Cortex Acanthopanacis einzusetzen und um Vergiftungen vorzubeugen, wurde in der Ausgabe 1985 des Chinesischen Arzneibuches Cortex Periplocae als eigene Monographie aufgenommen. Seit mehreren Jahren hat sich der oben Beschriebene Sachverhalt aber keineswegs zum besseren gewandelt. Aus unseren Marktanalysen bezüglich der Verwendung dieser Droge sowie aus unseren Identitätsprüfungen von Handelsware ergab sich, dass die Verwendung von Cortex Perioplocae anstelle von Cortex Acanthopanacis im Vergleich zu früheren Jahren noch zugenommen hat. Daher wurden im Rahmen dieser Arbeit vergleichende Studien über die chemischen Inhaltsstoffe und über die pharmakologischen Wirkungen angestellt, die ergaben, dass Cortex Periplocae zwar über eine gewisse entzündungshemmende Wirkung verfügt, aber keine Acanthopanaxglycoside A, B und D enthält, ebenso wenig verfügt Cortex Periplocae über die der Droge Cortex Acanthopanacis eigenen Leukozyten vermehrenden, antiermüdenden sowie adaptogenen Wirkeigenschaften, im Gegenteil, sie verfügt über eine Pentobarbital-Natrium-abschwächende Wirkung sowie eine deutliche Stimulationswirkung auf das ZNS. Aus diesem Grunde darf Cortex Periplocae unter keinen Umständen als Cortex Acanthopanacis eingesetzt werden. Den zuständigen Stellen wird nahegelegt, geeignete Massnahmen zu ergreifen, um zu vermeiden, dass dieser Zustand weiterbesteht."

Das Reinheft von Periploca enthält noch einen weiteren Tolggen:

Im American Journal of the American Medical Association wurden Artikel veröffentlicht, die Periploca in Verbindung bringen mit dem Hairy Baby Syndrom (Hypertrichosis). Menschen, die an diesem Syndrom leiden, haben am ganzen Körper im Extremfall so viel Haare wie auf dem Kopf, beispielsweise also auch im ganzen Gesicht.

Der medizinische Nutzen von Periploca ist also umstritten und sein Gebrauch ist problematisch.

Complemedis AG verzichtet bewusst auf den Verkauf von Periploca und ist der Meinung, dieses Mittel sei für den Markt im Westen obsolet, das heisst unsinnig. Es führt höchstens früher oder später zu einem dummen Zwischenfall.

Acanthopanax gracilistylus ist bei uns im Angebot.
Ein Vorschlag, es sinnvoll einzusetzen, wäre zum Beispiel für Sportler und andere, die leicht einmal über ihre Reserven leben, in Kombination mit Eleutherococcus senticosus (Ci Wu Jia), Fructus Schizandrae (Wu Wei Zi), Fructus Lycii (Gou Qi Zi) und Cordyceps (Dong Chong Xia Cao). Unter Umständen muss der Erhaltung des Yin und des Jing noch zusätzlich Rechnung getragen werden.

Complemedis AG, Leinfeldstrasse 59, CH-4632 Trimbach, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!