Fachwissen

Algen sind zwar niedere, aber nichtsdestotrotz nützliche Pflanzen. Sie haben ihren festen Platz auf dem Speisezettel vieler Menschen und Millionen haben sie vor Krankheit bewahrt oder Heilung gebracht, denn Algen enthalten bekanntlich Jod in reichlichen Mengen. Ohne Jod funktioniert die Schilddrüse nicht. Wenn es ihr fehlt, sucht sie danach und beginnt zu wachsen und sie wächst, bis mitunter der Kropf grösser als der Kopf ist. Das sieht nicht nur nicht gerade hübsch aus, sondern verursacht auch alle Symptome einer Unterfunktion dieser Drüse, die sich in Müdigkeit, Adynamie, Apathie, allgemeiner Schwäche, Gewichtszunahme, Verlangsamung der Herzfrequenz, niederem Blutdruck, struppigem Haar, Kälteintoleranz zeigt. Viele weitere Symptome sind bekannt: das typische Myxödem, oder die plötzlich seltsam blecherne Stimme. Letztere ist so eindrücklich, dass mir die Diagnose bei einem langjährigen Patienten schlagartig klar war, als er plötzlich mehr wie ein Frosch quakte als wie ein Mensch sprach. Die Unterfunktion der Schilddrüse lässt sich laborchemisch leicht erfassen. Der Kropf muss nicht immer sichtbar sein.

Jod ist in vielen Gegenden der Welt und auch in vielen Gebieten der Schweiz Mangelware und darum wird es hier dem Salz, dem Trinkwasser oder der Zahnpasta beigemischt.
Jodtabletten finden sich in jedem Haushalt für den Fall, dass mal ein Kernkraftwerk explodieren sollte. Schnell soll man dann zu diesen greifen und seine Schilddrüse damit sättigen, bevor das radioaktive und krebserzeugende Jod aus der giftigen KKW-Wolke uns erreicht und die Schilddrüse dieses aufnimmt.

Die Menschen haben schon vor Jahrtausenden gemerkt, dass Meeralgen lebenswichtiges Jod enthalten und sich die Unterfunktion der Schilddrüse damit behandeln lässt.
Die TCM hat deshalb diese Mittel ins therapeutische Register aufgenommen.
Vor allem drei Algenprodukte werden meistens genannt:

  • Kun Bu
  • Hai Zao
  • Hai Dai

Die Chinesische Pharmakopöe ordnet den obigen Begriffen folgende botanischen Arten (Spezies) zu:

Kun Bu: Laminaria japonica, Ecklonia kurome
Hai Zao: Sargassum pallidum, Sargassum fusiforme
Hai Dai: keine Erwähnung

Bensky macht folgende Zuordnungen:

Kun Bu: Ecklonia kurome. Alternative oder lokale Varianten: Ulva pertusa, Ulva lactuca, Undaria pinnatifida
Hai Zao: Sargassum pallidum, Sargassum fusiforme. Altenative und lokale Varianten: 8 weitere Sargassumarten
Hai Dai: Laminaria japonica

Ein kurzer Exkurs in die Einteilung der Algenwelt: Es existieren:

  • Blaualgen (die eigentlich Bakterien sind)
  • Rotalgen
  • Braunalgen
  • Grünalgen

Die in der TCM verwendeten Algen gehören zu den Grün- und Braunalgen.
Grün und braun werden sie nicht notgedrungen wegen ihrer Farbe genannt. Es gibt auch grüne Braunalgen. Der Stoff, der in der Natur am häufigsten zu grüner Farbe verhilft, ist Chlorophyll. Dieses kommt nicht nur in Grün-, sondern auch in Braunalgen vor.

Ecklonia, Laminaria, Sargassum und Undaria gehören zu den Braunalgen. Im getrockneten Zustand können einige davon auch grünlich erscheinen.
Ulva-Arten sind Grünalgen.

Complemedis AG gab Phytax vor einiger Zeit einen Untersuchungsauftrag und wollte wissen, welche botanischen Arten im Sortiment sind, ob diese sich in ihrem Wirkstoffspektrum unterscheiden und ob die Zuordnung eines Extraktes zu einer botanischen Art exakt möglich ist.
Die exakte botanische Bestimmung von Algen gelingt oft nur Spezialisten. Für gewisse Arten gibt es weltweit nur einen, oder zwei Spezialisten. Die Crew von Phytax GmbH steht mit diesen in Kontakt und liess bei ihnen schon Algen bestimmen. Man erarbeitete sich also in minutiöser Arbeit einen Schlüssel zur Identifizierung der angelieferten Algen.
Parallel dazu wurden die Texte der TCM zu den Algen auf die Unterschiede in der klinischen Wirkung abgesucht. Nach Sichtung vieler Daten und Diskussion mit Experten kam man zu folgendem Schluss:

Die Wirkstoffspektren der genannten Algen sind zwar unterschiedlich, was sich im Labor gut zeigen lässt, hingegen ähneln sich die Beschreibungen zur klinischen Wirksamkeit auffallend, bzw. wird diese sogar betont. Da, wo einige Quellen Unterschiede aufzuzeigen vorgeben, scheint es sich eher um Konstrukte zu handeln, deren Absicht die Erfüllung des unumstösslichen Rasters der TCM-Theorie ist. In den Fällen, wo die Verwendung von zwei Algen in einer Rezeptur empfohlen wird, gewinnt man schliesslich den Eindruck, dass der Autor damit beabsichtigte, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, zumindest EIN gutes Produkt im Rezept zu haben.

Letztlich kommt man als mit westlichem Wissen vorbelasteter Therapeut zum Schluss, dass wahrscheinlich der Jodgehalt bei diesen Mitteln das entscheidende Kriterium ist. Wir wissen, dass dieser für die genannten Algen-Arten unterschiedlich ist, aber Schwankungen sind auch von Charge zu Charge der gleichen Art naturgemäss zu erwarten.
Somit bleibt nach Überzeugung der Autoren ein empirischer Spielraum, wie lange und wie hoch dosiert man eines der genannten Produkte verabreichen will. Unterstützung erhält diese Meinung durch Bensky, der betont, dass die verschiedenen Algen gegeneinander austauschbar sind (used interchangeably).

Diese vielleicht für Traditionalisten der TCM etwas ketzerische Haltung bezieht sich auf die Algen als Jodspender zur Behandlung von Symptomen der Schilddrüsenunterfunktion. Diese äussert sich, wie eingangs erwähnt nicht bloss in der Ausbildung eines Kropfes. Sie betrifft auch den ganzen Wasserhaushalt und weitere Funktionen. Wenn die TCM sagt, dass die Algen bei Ödemen helfen und diuretisch wirken, so können das durchaus systemische Symptome sein, die spezifisch eine Schilddrüsenunterfunktion als Grund haben. Es wäre dann anzunehmen, dass andere Formen von Ödemen, etwa venös oder kardial bedingte, auf Algen wenig reagieren.
Interessanterweise empfiehlt aber die TCM Algen auch zur Behandlung von andern Verdichtungen, Schwellungen, etwa bei Scrofula, was ein alter Begriff für Tuberkulose der (Hals-)Lymphknoten ist. Dieses Krankheitsbild ist heute bei uns kaum mehr zu sehen. Ob es hier jemand wagen würde, eine Tuberkulose mit TCM statt mit westlichen Antibiotika zu behandeln, darf bezweifelt werden. Da die Krankheit meldepflichtig ist, kommt ein solcher Patient wohl unweigerlich unter die Fittiche der Schulmedizin.
Unklar bleibt die Indikation für Algen bei Schwellungen der Hoden und des Scrotums. Ist damit etwas anderes gemeint als das mögliche Ödem bei einer Schilddrüsenunterfunktion? Wenn nicht, geht die Rechnung wieder auf.

Complemedis AG vertreibt die Algen-Produkte im Rahmen der von der Chinesischen Pharmakopöe und Bensky gesteckten Grenzen und wünscht allen Anwendern und deren Patienten guten Erfolg damit.

Complemedis AG, Leinfeldstrasse 59, CH-4632 Trimbach, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!