Fachwissen

Erneut eine Schreckensmeldung aus den Medien: das Konsumentenmagazin Ktipp warnt in der Ausgabe vom 29.11.06 mit dem Titel: ‚Zu viel Soja ist ungesund’ vor Sojaprodukten.

Soja enthält nämlich neben vielen andern wertvollen Substanzen auch Isoflavone und diese zählt man gemeinhin zu den sog. Phyto-Östrogenen, d.h. sie wirken auf den Menschen ähnlich wie ein Teil der körpereigenen weiblichen Sexualhormone, die Östrogene.
Ein BAG-Experte wird im Ktipp zitiert: „Es ist experimentell erwiesen, dass Isoflavone das Wachstum von Tumoren fördern können.“

Man erinnert sich vielleicht noch an Kampagnen, die vor wenigen Jahren von Pharmafirmen organisiert wurden. Vor vollen Reihen und zumeist weiblichem Publikum berichteten angeheuerte Opinionleader, zum Beispiel Chefärzte von Frauenkliniken, von den segensreichen Wirkungen der Östrogene, die frau zur Vorbeugung von allerhand Wechseljahrbeschwerden nehmen sollte. Und wenn Frauen sich getrauten, dagegen aufzubegehren, weil es ihnen egal war, ob sie nach 50 mehr Falten bekamen, kam man ihnen mit der drohenden Osteoporose, denn dagegen gab es dann endgültig nichts mehr einzuwenden. Ein Arzt, der sich damals noch getraute, den Frauen vom unkontrollierten Gebrauch von Östrogenen abzuraten, wurde bestenfalls als Nestbeschmutzer unter den Ärzten gebrandmarkt, aber es wurde auch schon mal mit Kunstfehlerprozessen gedroht. HRT – Hormon Replacement Therapy war DER grosse Schlager und ein Milliardengeschäft – bis zum Moment, als einwandfrei nachgewiesen werden konnte, dass diese vermehrt zu Fällen von Brustkrebs und Herzinfarkt bei Frauen führte. Der Markt brach völlig zusammen (und seither erleben andere Medikamente gegen die Osteoporose einen Höhenflug, über die notabene auch nicht wenig zu berichten wäre…).

Östrogene töten also erwiesenermassen Frauen. Von einem rationalen, ja wissenschaftlichen Standpunkt aus muss deshalb die Forderung kommen, mit Östrogenen aufzuräumen, zum Beispiel, indem man alle Nahrungsmittel verbietet, die diese Hormone enthalten - oder andere Stoffe, welche sie imitieren oder deren körpereigene Produktion anregen. Da der Körper aber diese Hormone natürlich auch selbst produziert, kann dieses 'Übel' nicht aus der Welt geschafft werden, denn wer wollte im Ernst allen Frauen raten, sich nach erfülltem Kinderwunsch die östrogenproduzierenden Organe entfernen zu lassen?
Die Frage ist, wie relevant neben der beachtlichen Menge an körpereigenen Hormonen eine zusätzliche externe Quelle ist, konkret: mit wie viel zusätzlichen Krebstoten ist zu rechnen, wenn die ganze Bevölkerung einen Deziliter Sojamilch trinkt und wie viele werden es beim Konsum von 2,3,4,5 dl? Oder, in der Sprache der Evidence Based Medicine gesprochen: Wie viele Menschen müssen auf den Konsum von welcher Menge Sojaprodukten verzichten, damit EIN Mensch von einem östrogeninduzierten Krebs verschont bleibt?
Die Pressemeldung nimmt Bezug auf 1500 Artikel, auf die sich die Agence française de sécurité sanitaire des aliments (Afssa) stützt, als sie zum Schluss kam, dass Soja gefährlich sein kann. Und was könnte die Aussage, dass experimentell nachgewiesen werden konnte, dass Isoflavone das Wachstum von Tumoren fördern können, bedeuten? Könnte das allenfalls heissen, dass man einer armen Ratten-(Weibchen!?)-Population Unmengen Isoflavone futterte und die dann vermehrt an Krebs erkrankten? Oder führten diese Stoffe im Reagenztest an Zellkulturen zu vermehrt pathologischen Zellteilungen? Möglich, dass dem so ist. Und daraus wird abgeleitet, dass auch Menschen, die regelmässig gewisse Mengen an Sojaprodukten einnehmen, vermehrt an Krebs erkranken. Es dürfte unter den 1500 Arbeiten der Afssa kaum eine sein, die im klinischen Bereich, also an einer Gruppe von Menschen den Beweis geliefert hat, dass Sojaprodukte vermehrt Krebs machten. Und wenn sie machten, dann waren da wahrscheinlich noch viele andere Faktoren im Spiel, etwa der Umstand, dass isoliert Isoflavone oder sonstwie hochraffinierte oder denataruierte Bestandteile von Soja zur Anwendung kamen, nebst vielen Hilfsstoffen und dem ganzen Gugus, der heute in industriell hergestellter Nahrung drin ist, E-Stoffe (Farbstoffe, Emulgatoren, Konservantien…) etc.

Werfen wir noch einen Blick auf die Männerwelt: Männern, die an Prostatakrebs erkrankt sind, entfernt man chirurgisch die Hoden. Oder man gibt ihnen Medikamente, die die Wirkung der männlichen Geschlechtshormone mindern. Diese chirurgische oder chemische Kastration führt dazu, dass Männer mit Prostatakrebs grössere Überlebenschancen haben. Man spricht von Östrogenisierungseffekten. Wenn Isoflavone also Frauen töten, können sie im Gegenzug das Leben von Männern retten? Sollte man also allen Männern empfehlen, regelmässig und reichlich Sojaprodukte zu nehmen? Mit dem Tunnelblick der westlichen Naturwissenschaft auf das Detail muss man die Frage wohl mit JA beantworten. Der Nutzen des Sojakonsums der Männer könnte sogar noch weitere positive Nebenwirkungen für Frauen haben: Weniger Testosteronwirkung = weniger Vergewaltigungen. Und für die ganze Gesellschaft wäre mit weniger Aggressivität im Strassenverkehr und somit weniger Verkehrstoten, weniger Schlägereien auf Pausenplätzen, weniger Krieg etc. zu rechnen.

Kehren wir zur Traditionellen Chinesischen Medizin zurück (TCM): In der TCM werden nicht nur alle Heilkräuter, sondern auch alle Lebensmittel und überhaupt alles in der Natur mit den wissenschaftlichen Masssystemen Yin & Yang und nach den sog. 5 Elementen und nach weiteren Massstäben (Geschmack, Wärmegehalt etc.) vermessen. Sojamilch und Tofu gehören in diesem Sinn zu den kühlenden und befeuchtenden Mitteln. Leidet nun ein Mensch an einer Kältesymptomatik oder an einer, welche mit zu viel Feuchtigkeit oder (immer in der Sprache der TCM gesprochen) kaltem Schleim im Körper einhergeht, so ist die Einnahme von Sojamilch und andern Soja-Produkten grundfalsch. Solchen Menschen wird man mit diesen Produkten schaden. Natürlich haben die alten Chinesen schon vor 2000 Jahren gemerkt, dass man Sojaprodukte nur dosiert am richtigen Ort einsetzen soll.
Aber die westliche Lebensmittelindustrie wird ja nicht müde, sich ständig neue Einnahmequellen zu erschliessen und für sie heisst die Devise folgerichtig ‚je mehr, desto besser’. Mal soll man nur noch Broccoli essen, dann wieder nur Tomaten und ein anderes Mal nur Früchte oder nur Salat, weil es diese oder jene wertvollen Substanzen enthalte. Und wenn eben Babys fast ausschliesslich mit Sojaprodukten gefüttert werden, von Müttern, die ihren Kindern die Brust nicht geben wollen, weil diese später nicht mehr so schön ist, wenn sie stillen, oder wenn sie keine Milch haben, weil sie halt völlig erschöpfte Energie- und Substanzspeicher haben, dann ist mit Schäden zu rechnen. Solche Ernährung kann nicht gesund sein und das gilt für Erwachsene ebenso und das BAG hat recht: Sojaprodukte sind wertvolle Nahrungsmittel, „aber man sollte es damit nicht übertreiben. Das gilt in stärkerem Mass auch für Nahrungsergänzungsmittel.“ Mit letzterem meint es wohl Produkte, die extra mit Isoflavonen angereichert sind. In China auf Industriemessen geht man durch Gassen, in denen sich Dutzende von Firmen präsentierten, die ausschliesslich Soja-Isoflavone vermarkteten. Und es wird dann jeweils nicht gefragt, ob man einige Kilo kaufen, sondern wie viele Schiffscontainer man bestellen wolle. China liefert, was der Westen wünscht!
Die vage Aussage des BAG wurde in China schon vor mehr als 2000 Jahren viel präziser und differenzierter behandelt und Soja bekam seinen Platz definitiv und endgültig bezüglich seines Nutzens für den Menschen zugewiesen.

Rezept für selbstgemachte Sojamilch

Bei uns zu Hause gibt es an heissen Sommertagen selbstgemachte Sojamilch. Dazu kauft man sich ein Pfund gentechfreie gelbe Sojabohnen im Reformhaus, nimmt daraus für eine 4-6-köpfige Familie eine chinesische Reisschale voll Bohnen und tut sie in eine grosse Schüssel, gibt reichlich Wasser (circa 5 dl) dazu und lässt die Bohnen über Nacht quellen. Am nächsten Morgen dreht man die aufgeweichten Bohnen durch den Fleischwolf (wahrscheinlich geht es auch mit einem guten Mixer) und gibt das Mus in eine grosse Pfanne, tut 1-2 Liter Wasser dazu und einige Scheiben frischen und von der Haut befreiten Ingwer. Dann kocht man dies alles auf und lässt die Milch 2-3x hochkommen. Schliesslich fügt man noch reichlich braunen Rohzucker dazu, aber vorsichtig, nur unter ganz kurzem und leichtem Rühren. Fertig ist die schmackhafte Sojamilch, die warm genossen wird. Das ausgekochte Mus verwerfen die Chinesen oder geben es den Hühnern und Schweinen. Bei uns strecken wir manchmal die selbstgemachten Spaghettisaucen damit, besonders dann, wenn mal kein Hackfleisch im Haus ist. Wir nehmen dann natürlich das Mus, bevor wir den Zucker einrühren.
Sojamilch irgendwelcher anderen Art, also alles, was man irgendwo kaufen kann, ist dagegen reinstes Abwaschwasser – geschmacklich wie auch energetisch.
Ingwer gibt man natürlich dazu, weil alles im Leben und in der Ernährung seine Ausgewogenheit braucht: der warme Ingwer kontert die evtl. allzu kühlende Wirkung der Sojamilch. Zudem trinkt man sie ja eben auch aus dem Grunde warm. Und den Zucker rührt man vorsichtig ein, weil Chinesen der Ansicht sind, dass sonst zu viel äusserlicher Wind in den Absud gelangt, denn Zucker hat schon rein durch seine Herstellung viel äusserlichen Wind aufgenommen. Da will man nicht noch mehr Wind produzieren.

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