Fachwissen

Selbstverständlich gibt es sowohl unter unseren Heilkräutern im Westen wie auch unter denen aus China solche, die giftige Stoffe enthalten. Schon Paracelsus sagte aber, dass die Dosis die Giftigkeit ausmache. Wenn der Therapeut oder die Therapeutin ihr Metier aber gelernt hat, sollten keine Zwischenfälle auftreten. Damit könnten wir dieses Kapitel denn auch bereits wieder verlassen, aber aufgrund besonderer Aktualität gibt es dazu nun doch noch einiges zu erwähnen, wenn Sie schon mal diese Frage aufgeworfen haben.

In den Zeitungen taucht regelmässig der Zwischenfall mit den Frauen auf, die einen Therapeuten in Belgien aufsuchten, der gegen Übergewicht eine Wundermedizin anpries. Wie sich herausstellte, waren in dieser Mixtur nebst einigen chemischen Drogen zwei chinesische Kräuter. In der Folge wurden letztere beschuldigt, für die gesundheitlichen Störungen verantwortlich zu sein, die diese bedauernswerten Frauen erfuhren. Sie erkrankten nämlich an einem Nierenversagen und mussten an die Dialyse. Die Nieren sind irreparabel auf Lebzeiten geschädigt. Dieses traurige Schicksal erlitten gegen fünfzig Frauen. Nun ist es natürlich so, dass solche Sensationen ein gefundenes Fressen für die Zeitungen sind. Wer sich genau in diese Materie hineinliest, hat inzwischen den reinsten Kriminalfall vor Augen. Die Regierung von Belgien hat uns inzwischen einen rund sechshundertseitigen Bericht zukommen lassen und laufend kommen neue Untersuchungen dazu. Es ist ein wahrer Glaubenskrieg entbrannt und ganze Heere von Wissenschaftern beschäftigen sich mit diesen Fällen. Es steht für uns als der chinesischen und westlichen Medizin und der anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Biologie, Biochemie und Botanik Kundige heute fest, dass die in dieser Mixtur vorhandenen Kräuter an und für sich keine Schäden machen und dass sie nicht einmal in dem fatalen Cocktail für das Schicksal dieser Frauen verantwortlich gemacht werden können. Unsere Belegschaft, worunter einige wissenschaftlich tätigen Leute sind, hat die Sache intensiv verfolgt, diskutiert und sich zu eigentlichen Spezialisten in der Angelegenheit entwickelt. Das Thema hat viele Fragen aufgeworfen und es wird noch lange dauern, bis Antworten gefunden werden, die einhellige Zustimmung von allen Seiten finden. Betrüblich an dieser Affäre ist, dass sich heute Leute, die durchaus dem Kreis sonst seriöser Akademiker zuzurechnen sind, offensichtlich nur oberflächlich über diese Geschichte informierten, aber gleichwohl Artikel darüber schreiben. Das kompliziert das Ganze leider nur. Wie war das schon wieder: Wiederholt man eine Lüge nur oft genug, bleibt sicher etwas hängen. Oder sagt man besser: Eine Lüge wird nicht wahrer, wenn man sie auch tausendmal wiederholt. Irgendwie sind mir die Sprichwörter dazu nicht mehr ganz gegenwärtig.

Sie haben vielleicht ein anderes Beispiel eines nun plötzlich als giftig taxierten Heilkrautes im Kopf: Vor einigen Jahren wollten die Behörden uns den Huflattich wegnehmen. Als die Drogisten und Apotheker das neu erlassene Verbot einfach ignorierten, wurde dieses abgeschwächt. Seither darf man Huflattich wieder brauchen, allerdings darf er nur in kleineren Mengen abgegeben werden. Nun enthält Huflattich unter anderem sogenannte Pyrrolizidin-Alkaloide. Diese scheinen keinen Nutzen zu bringen. Die Wirkung von Huflattich beruht auf andern Substanzen, die auch noch in diesem Kraut drin sind. Pyrrolizidin-Alkaloide können gewisse Störungen verursachen, weshalb die Behörden daran gingen, sämtliche Pflanzen aufzulisten, welche solche Stoffe enthalten. Diese wollte man alle verbieten.

Nun muss man dazu etwas Grundsätzliches sagen: Unsere Wissenschafter lieben es, unsere Pflanzen nach Wirkstoffen zu durchsuchen. Sie finden dies und jenes und isolieren diese Stoffe. Dann testen sie diese an Mäusen, Tieren und Menschen und machen sich ein Bild von deren Wirkungen. Was aber ist ihr Ziel? Sie wollen im Dienste der chemischen Industrie herausfinden, ob man mit diesen Stoffen eine Medizin herstellen kann, denn diese lässt sich verkaufen. Es geht um ein Geschäft. Die Chemie arbeitet aber im Labor nach ziemlich einfachen Methoden. Sie kann höchstens einen einzigen Stoff aufs Mal untersuchen. Eine ganze Pflanze wäre viel zu kompliziert. Eine Pflanze ist eine ungeheuer riesige Fabrik, in der ständig Stoffe hergestellt und ausgetauscht werden. Diese Fabrik ist unglaublich flexibel im Angebot ihrer Produkte. Die Palette wechselt im Tag- und Nachtrhythmus, Sommer und Winter, zur Zeit der Keimung und zu der der Reife. Zehntausende von verschiedenen chemischen Verbindungen flitzen da herum. Sogar wenn die Pflanze geerntet, abgeschnitten, sozusagen tot ist, arbeitet die Fabrik weiter. Immer noch verändert sich das Kraut in der Zeit der Lagerung. Und daraus holen Wissenschafter nur gerade einen einzigen Stoff hervor, zum Beispiel das Koffein aus dem Kaffee. Da der Mensch gleichermassen eine wundersame Fabrik ist, der noch viel komplizierter als eine Pflanze auf vielfache Art auf äussere Einflüsse reagiert, ist das Staunen gross, wenn der eine Mensch nach Genuss von Koffein hellwach ist und der andere sich seelenruhig nach zehn Tassen hinlegen und einschlafen kann. Da kommen wir mit unseren vereinfachenden und simplen Labormodellen nie an den Kern des wahren Lebens. Warum bekommt der eine Mensch und warum gerade dieser und nicht der andere von einem Antibiotikum einen juckenden Ausschlag, der andere Durchfall und der dritte eine starke Müdigkeit, die vierte einen Scheidenpilz und der nächste Erbrechen. Und warum kann niemand im Voraus sagen, wem dies oder jenes nach der Einnahme passiert? Fragen, auf die die Medizin, die sich wissenschaftlich nennt, kaum je eine Antwort finden dürfte.

So ist es denn auch mit der Giftigkeit von Heilkräutern. Wohl gibt es eindeutig giftige Kräuter, wo wir ziemlich genau sagen können, dass nach der Einnahme von so und soviel Gramm dies oder das passieren wird. Aber von diesen Kräutern braucht man doch gar nicht zu sprechen. Da ist doch alles mehr oder weniger klar. Man wird sich auf die richtige Dosis beschränken müssen unter Wahrung einer gewissen Sicherheitsbandbreite.

Die Chinesen haben schon längst herausgefunden, dass es in der Natur Kräuter gibt, die zwar sehr gut gegen eine bestimmte Krankheit wirken, aber leider pur belassen giftige Nebenwirkungen haben. Sie haben darum Methoden entwickelt, wie sie die wirksamen Substanzen in der Pflanze behalten und die nicht nötigen, giftigen unschädlich machen konnten. Da wurden komplizierte Verfahren entwickelt, zum Beispiel wiederholtes Kochen unter Zusätzen von Essig oder Wein oder Mineralien wie Gips und Kalk, durch Eingraben im Boden, durch Lagern in Gefässen von bestimmten Materialien. Bis heute werden solche Verfahren angewandt und alle wissen, wie man so behandelte Kräuter prüfen muss und wie man sie braucht. Zudem ist es nie so, dass ein chinesisches Kraut allein gebraucht würde. Immer befindet sich dies in Gesellschaft anderer. Solche Rezepturen werden seit Jahrhunderten, zum Teil seit zwei Jahrtausenden bis heute noch in bis aufs Gramm exakt gleicher Dosis abgewogen und verabreicht. In solchen Rezepturen passiert es, dass gewisse Kräuter sich in einer gewünschten Wirkung potenzieren und sich in einer unerwünschten neutralisieren. Da steckt ein unglaublicher Erfahrungsschatz dahinter. Wenn nun also ein Quacksalber kommt und chemische Substanzen mit chinesischen Kräutern mixt, so ist es kein Wunder, dass nichts Vernünftiges dabei herauskommt.

Etwas komplizierter ist es, wenn die Heilwirkung eines Krautes genau auf dem giftigen Inhaltsstoff beruht. Auch das gibt es. Ich kenne den Fall einer Frau aus China, die an einer rheumatischen Krankheit litt. Vorerst halfen die Kräuter ihr nicht viel. Da griff der erfahrene Arzt zu stärkerem Geschütz. Er gab der Frau etwas ziemlich Giftiges. Sie sei fast draufgegangen, berichtete sie, doch danach war das Rheuma verschwunden und ist seither nach vielen Jahren auch nicht mehr wiedergekommen. Uns im Westen dürften die Hände für solche Unterfangen aus juristischen Gründen gebunden sein. Ein Zwischenfall will sich niemand zuschulden kommen lassen.

Unsere westlichen Wissenschafter gehen, wie das oben geschildert wurde, von isolierten Einzelsubstanzen aus. Es ist für sie zu kompliziert, erklären zu müssen, was geschieht, wenn man nicht die Einzelsubstanz geniesst, sondern die ganze Pflanze. Tatsächlich ist man da auf Stoffe gestossen, die einzeln an Mäuse verfuttert, bei diesen Krebs hervorriefen. Gab man aber die ganze Pflanze, so waren die Mäuse sogar im Gegenteil besser vor Krebs geschützt als eine normale Population von Mäusen, die weder dies noch jenes erhielten. Das ist für Wissenschafter unheimlich schwierig zu erklären. Solche Aufgaben lieben sie deshalb nicht. Aber für einen chinesischen Mediziner ist das die klarste Sache der Welt, vollkommen logisch. Wenn Sie hier auch eine Antwort parat haben, dann sind Sie auf dem besten Weg dazu, wichtige Grundsätze der chinesischen Betrachtungsweise bereits verinnerlicht zu haben. Das ist natürlich nicht nur chinesisch gedacht. Man sollte doch einfach meinen, dass das dem gesunden Menschenverstand entspricht. Der wird ja wohl nicht auch noch nur gerade in China erfunden worden sein. Wir dürfen also zusammenfassend nicht a priori akzeptieren, dass da jemand kommt und sagt, diese oder jene Pflanze sei giftig, weil sie diesen oder jenen chemischen Stoff enthält. Sofort muss man da ein 'Ja halt mal aber..' entgegnen dürfen. Wir dürfen mal ruhig solche Behauptungen in Frage stellen und nach ihrer Herkunft fragen. Oft kommen wir dann zum Schluss, dass solche Aussagen nicht unwidersprochen im Raum stehen gelassen werden sollten. Wir laufen sonst Gefahr, dass uns nach und nach noch ein Haufen Heilkräuter weggenommen wird.

Haben Sie schon einmal den Packungsprospekt eines chemischen Medikamentes durchgelesen? Da werden die wildesten Nebenwirkungen so mir nichts dir nichts in Kauf genommen und mit behördlichem Segen auf den Markt geworfen. Sogar Todesfälle werden da akzeptiert, ohne dass es jemandem in den Sinn käme, das Mittel zu verbieten. Das jüngste Beispiel ist Viagra. In der Weltwoche vom 3.9.98 steht, dass bereits 123 Männer daran gestorben sind. Das nächste wird wohl Thalidomid (Contergan) sein. Die chemische Industrie verspricht sich Riesengewinne davon. Es dürfte die Zulassung demnächst schaffen. Und da sind wir beim Punkt angekommen, wo über Giftigkeit zu sprechen ist: hätten die Pflanzen eine so grosse Lobby wie die chemische Industrie, so wäre es auch nicht möglich, sie immer mehr in die Ecke zu drängen. Es geht hier nicht darum, zu sagen, Chemie ist schlecht und Pflanzen sind gut. Beides kann im entscheidenden Moment Grosses leisten. Chemie und Pflanzenheilkunde schöpfen beide je aus einem Fundus, den man hegen und pflegen sollte. Es ist nicht einzusehen, warum es nötig ist, sich gegenseitig anschwärzen und konkurrenzieren zu wollen. Man müsste eben die Sache auf die sachliche Diskussionsebene stellen und nicht einfach einem Markt überlassen, der nur den Profit sieht.

Wir haben uns bei der Firma Complemedis sehr um Fragen bezüglich Giftigkeit von Kräutern bemüht und eine grosse Datenbank aufgebaut. Wir stehen schon jetzt Behörden, Wissenschaftern aus Ost und West, Therapeuten und Interessierten mit Rat zur Seite. Wenn Sie diesbezügliche Fragen haben, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.

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