Fachwissen

Die Chinesen haben seit mehr als zweitausend Jahren alles, was in der Natur vorkommt, systematisch auf seinen medizinischen Nutzen geprüft. Die chinesische Kultur hat einen sehr unmittelbaren und völlig unverkrampften Zugang zur Natur. Was immer ein Chinese in der Natur vorfindet wird der Frage: "Was kann mir das nützen?" unterzogen. Immer überlegt er sich, wie das Ding, das da wächst, liegt, steht oder kreucht und fleucht Teil seiner selbst werden könnte. Wie wird das Ding zu einem Baustein im eigenen Körper, auf dass es da drin eine nützliche Aufgabe verrichte. Sieht ein Chinese ein ihm noch nicht bekanntes Tier, so ist seine erste Frage immer die, ob es essbar ist, wogegen wir westlichen Leute wohl doch eher zuerst das Aussehen desselben hinsichtlich Schönheit, Anmut etc. bemerken und damit automatisch den Gedankenschluss machen, unser Standpunkt sei zivilisierter als der des Andersdenkenden.

Der Mensch ist was er isst

Jede Pflanze, jeder Stein, jedes Mineral und jedes Tier, ja selbst jedes Teilstück von allem Erwähnten und sogar vom Menschen selbst wurde auf seine gesundheitsfördernde Wirkung geprüft. Chinesen wussten schon lange, dass der Mensch das ist, was er isst. Und sie wussten, dass die nächste Generation das sein wird, was die vorhergehende gegessen hatte und sie richteten ihr Leben darauf aus, durch ihr eigenes Verhalten und richtiges Essen eine gute Basis für ihre Kinder und Kindeskinder zu schaffen. Alles kann also Medizin sein. Die beste Medizin ist das richtige Essen. Es bewahrt vor Krankheiten.

Je sauberer das Fleisch, desto höher der Preis

Wenn Chinesen Tiere metzgen, dann schauen sie sich diese genau an und überlegen, welcher Teil davon für was gut ist. Wir im Westen sind froh, dass wir in den Laden gehen und dort ein Stück Fleisch kaufen können. Wir sind froh, dass wir nicht dabei sein müssen, wenn das Tier getötet wird. Wir sind auch froh, wenn wir in der Metzgerei ein sauber präsentiertes Stück Fleisch zu sehen bekommen und wir wenden unsern Blick ab von all dem Gehäder und den unansehnlicheren Teilen eines getöteten Lebewesens. Wir haben eine Vorliebe für schönes, rosarotes oder sogar weisses, nicht von Fett, Sehnen etc. durchzogenes Fleisch. Der Beweis für diese Vorliebe liefert uns der Preis. Er ist umso höher, je sauberer das Fleisch ist. Das Filet kostet mehr als ein Sauschwanz oder ein Gnagi. Knochen bekommt man sogar halb gratis.

Chinesische vs. europäische Art ein Hühnchen zu metzgen


HuehnerfuesseGanz anders bei den Chinesen: da sind Knochen das wertvollste und sie empfinden das Filet als rechtwertloses und langweiliges Fleisch. Die Chinesen haben natürlich schon vor Jahrtausenden gemerkt, dass im Knochenmark viele wertvolle Substanzen gespeichert sind und dass der Knochen selbst aus Mineralien besteht, die der Mensch nach geeigneter Zubereitung im eigenen Körper verwerten kann. Da Chinesen mit Stäbchen essen, wird Fleisch in Mundgerechte Stücke gehackt. Ein Poulet wird so verhackt, dass immer von allem etwas dabei ist: Knochen, Sehnen, Muskelfleisch, Gelenke, Knorpel, Adern, Haut etc. Liebend gerne nagen sie diese Stücke ab und spucken die Knochen aus. Letztere werden ja auch mit dem grossen, schweren Metzgermesser durchhackt und dabei eröffnet. Genüsslich saugt man das noch blutige Mark der eröffneten Röhrenknöchelchen eines Poulet aus. Wir Leute aus dem Westen lieben solche Mahlzeiten nicht besonders. In unseren hiesigen China-Restaurants wird denn auch vieles sauberer präsentiert als in China. Bleibt in China ein knochiges Pouletgerüst übrig, so ist das die ideale Suppeneinlage oder wird am nächsten Morgen während drei bis fünf Stunden von einer fleissigen Schwiegermutter in der Frühe mit dem sogenannten Shi Fan, dem Reisbrei gekocht auf dass er zum Frühstück bereit sei. So kommt der letzte Rest eines Poulets zur Verwertung. Selbstredend werden auch andere Teile des Huhnes noch als äusserst wertvoll betrachtet: Hühnerfüsse gelten mit den Krallen als ausgesprochene Delikatesse. Als die Chinesen beobachteten, wie die Australier ihren Chicken die Füsse abhackten und fortwarfen, begannen sie, ganze Schiffsladungen davon nach China zu importieren. Die innere Haut des Hühnermagens ist eine regelrechte Medizin und wird teuer gehandelt. Besondere Hühnerrassen werden als extra gut angesehen, zum Beispiel diejenige mit den schwarzen Knochen oder der schwarzen Haut. Diese werden teuer bezahlt. Ein mir bekannter Schweizer Züchter, der zufällig ein paar dieser Tiere mit andern kreuzte, musste die Tiere mit der schwarzen Haut und den schwarzen Knochen auf den Abfall werfen, weil sich kein Kunde dafür interessierte. Nach all diesen Ausführungen lässt es sich nun schon fragen, wer nun eigentlich den besseren Umgang mit der Natur pflegt, die Chinesen oder wir, die wir nur die besten Stücke eines Tieres verarbeiten und den Rest zu Fleischmehl machen, um dies dann völlig artungerecht wieder pflanzenfressenden Tieren wie Rindern zu geben. Sollen wir da noch erstaunt sein, wenn sowas wie Rinderwahnsinn aufkommt?

Ein System der Entsprechungen, Symbolcharakter und Abenteuer Kapitalismus

Gefaehrdet_TCM_Pflanzen

Die chinesische Medizin funktioniert nach dem System der Entsprechungen von Yin&Yang und den Fünf-Elementen, wie das oben beschrieben wurde. Über rund dreissig Jahrhunderte von Beobachtung haben die Chinesen gemerkt, dass der menschliche Körper aus Bausteinen besteht, die in der Natur vorkommen oder mit ihrer Hilfe im Körper entstehen können. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, kann leicht Entsprechungen finden, die das Yin&Yang Prinzip oder die 5-Elemente-Lehre erfüllen. Gegen Durst (=Hitze) hilft Wasser, wenn man friert muss gewärmt werden. Chinesen hatten gesehen, dass Pflanzen, die am Wasser wachsen, geeignet sind, um überschüssige, kalte Feuchtigkeit, die sich im Körper befindet und dort zu rheumatischen Beschwerden geführt hat, zu entfernen. Unsere Weide ist ein klassisches Beispiel dafür, denn aus ihrer Rinde stammt das Aspirin. In China war und ist man der Ansicht, dass die Entsprechungen logisch sind, dass man also, wenn man Pferdefleisch ist, stark und hitzig wie ein Pferd wird, wenn man vom Tiger nimmt,. übernimmt man dessen Eigenschaften. Diese manchmal etwaseinfachen Vorstellungen haben sich im Volk gehalten und es kommt daher, dass die Leute gewissen Tieren entsprechenden Symbolcharakter zuordneten. Wenn nun auch die chinesische Medizin zum Beispiel das Horn des Nashorns ausdrücklich nicht als Potenzmittel erwähnt, sondern zu einem ganz andern Zweck, nämlich bei gewissen Formen von hohem Fieber gibt, so halten sich im Volksaberglauben doch hartnäckig andere Meinungen. Dies führt dazu, dass solche symbolbehafteten Tiere (und auch gewisse Pflanzen) vom aussterben bedroht sind, weil ihr Wert gross ist. Es ist aber so, dass die meisten Chinesen sich solche in der Regel teuren Mittel gar nicht leisten können. Der Schwarzmarkt dafür existiert nur für eine reiche Elite, die oft nicht einmal im Land wohnt. Diese Chinesen wohnen in Singapur, auf Indonesien, in den USA, auf Taiwan und es gehören auch andere Volksvertreter wie Japaner dazu. Das ist eine traurige Situation, doch muss man zu bedenken geben, dass die heutigen Konsumenten aus China und anderswo nur die letzten Vollstrecker des traurigen Schicksals solcher Tiere sind. Die meisten dieser Arten sind bedroht, weil wir ihre Lebensräume bedrängen und stören, sei es durch Abholzung oder Übernutzung ihrer letzten Rückzugsgebiete, durch rücksichtsloses Ausfischen von Meereszonen, durch die Umweltverschmutzung, die der Fauna und Flora im allgemeinen zusetzt, durch intensive Wald- und Feldbewirtschaftung, Monokulturen, Einsatz von Umweltgiften, kriegerische Wirren, Übervölkerung - kurzum wegen aller Folgen einer ausufernden Weltwirtschaft, die ständig neue Märkte erschliessen muss, weil das Kapital der Industrienationen wie wild nach solchen sucht, begierig, die Bedürfnisse von Anlegern privater und institutioneller Art zu befriedigen. Da wir uns nun mal auf das Abenteuer Kapitalismus eingelassen haben, müssen wir auch die Folgen tragen. Der den Chinesen nachgesagte Kannibalismus ist da nur das letzte Glied in einer Kette von sich bedingenden Ursachen und Wirkungen.

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